Nachtsicht bei Dashcams: Was Sony STARVIS 2 bringt

Wer Aufnahmen verschiedener Dashcams vergleicht, merkt schnell: Nachts trennt sich die Spreu vom Weizen. Die eine Kamera liefert ein verrauschtes Bild mit ausgebrannten Scheinwerferkegeln, die andere zeigt Fahrbahn, Schilder und Kennzeichen erstaunlich klar. Der Unterschied liegt dabei selten in der Auflösung, sondern fast immer im Sensor. In diesem Beitrag erklären wir, warum Dunkelheit für Kameras so schwierig ist, was hinter Sonys STARVIS-Technologie steckt – und warum das Marketingwort „Night Vision“ nicht das bedeutet, was viele erwarten.
Warum Nachtaufnahmen so schwierig sind
Eine Kamera braucht Licht, um ein Bild zu erzeugen – nachts steht ihr davon nur ein Bruchteil dessen zur Verfügung, was ein Sommertag bietet. Um dennoch etwas zu zeigen, hat die Elektronik zwei Hebel: Sie kann das Signal verstärken, dann rauscht das Bild. Oder sie belichtet länger, dann verwischen bewegte Objekte. Beides kostet genau die Details, auf die es im Ernstfall ankommt.
Hinzu kommt der extreme Kontrast im nächtlichen Straßenverkehr: dunkle Fahrbahn und grelle LED-Scheinwerfer im selben Bild. Kennzeichen sind zudem retroreflektierend beschichtet und werfen das Scheinwerferlicht gebündelt zurück – im Video „brennen“ sie aus und werden zur weißen Fläche, auf der nichts mehr zu erkennen ist.
BSI-Sensoren: die Technik hinter STARVIS
STARVIS ist der Markenname einer Sensorfamilie von Sony, ursprünglich für die Videoüberwachung entwickelt – also genau für schwaches, gemischtes Licht. Die technische Basis ist die sogenannte BSI-Bauweise (Back-Side Illumination, rückwärtig belichtet).
Bei klassischen Sensoren liegen Leiterbahnen und Transistoren vor der lichtempfindlichen Schicht; ein Teil des einfallenden Lichts wird dort abgeschattet, bevor er die Fotodioden überhaupt erreicht. Beim BSI-Sensor ist der Aufbau gedreht: Das Licht trifft direkt auf die lichtempfindliche Seite, die Verdrahtung liegt dahinter. So nutzt der Sensor einen deutlich größeren Teil des Lichts – das Signal-Rausch-Verhältnis verbessert sich, das Bild wird sauberer und detailreicher.
Was STARVIS 2 verbessert
Die zweite Generation erhöht vor allem den Dynamikumfang – also die Fähigkeit, sehr helle und sehr dunkle Bildbereiche gleichzeitig zu erfassen – und holt aus derselben Pixelfläche mehr Lichtausbeute heraus. In der Praxis heißt das: weniger ausgefressene Lichter, mehr Zeichnung in den Schatten, geringeres Rauschen. Sensoren wie der Sony IMX678 gehören zu dieser Generation und stecken in aktuellen Topmodellen.
Neben der Bauweise zählt auch die Fläche: Ein größerer Sensor mit größeren Pixeln sammelt schlicht mehr Licht pro Bildpunkt. Angaben wie 1/1,8 Zoll gegenüber 1/2,8 Zoll wirken kryptisch, machen bei Dunkelheit aber einen sichtbaren Unterschied. Entscheidend ist deshalb immer das Gesamtpaket aus Sensorgeneration, Sensorgröße und Optik – eine einzelne Kennzahl allein sagt wenig aus.
| Merkmal | Klassischer Sensor (FSI) | STARVIS (BSI) | STARVIS 2 |
|---|---|---|---|
| Lichtausbeute | eingeschränkt | hoch | noch höher |
| Dynamikumfang | gering | gut | erweitert |
| Rauschen bei Nacht | deutlich sichtbar | moderat | gering |
| Typische Folge im Video | dunkles, flaues Bild | brauchbare Nachtaufnahmen | lesbare Details trotz Gegenlicht |
HDR: die Antwort auf Blendung und ausgebrannte Kennzeichen
Selbst der beste Sensor stößt an Grenzen, wenn Scheinwerfer direkt ins Objektiv strahlen. Hier hilft HDR (High Dynamic Range): Die Kamera kombiniert unterschiedlich belichtete Aufnahmen desselben Moments zu einem Bild. Helle Partien bleiben durchgezeichnet, dunkle saufen nicht ab. Der wichtigste Praxisnutzen: Ein Kennzeichen im eigenen Scheinwerferkegel bleibt lesbar, statt zur weißen Fläche zu werden.
Auch Tunneldurchfahrten und tief stehende Sonne profitieren spürbar. Prüfen Sie in den Einstellungen, ob HDR aktiv ist – bei manchen Modellen lässt es sich zeitgesteuert oder dauerhaft aktivieren, bequem per Smartphone. Wie der Zugriff über die App funktioniert, zeigt unser Beitrag zu Dashcam-Apps und WLAN.
„Night Vision“ ist nicht Infrarot
Auf Verpackungen taucht gern der Begriff „Night Vision“ auf. Gemeint ist damit fast immer die Kombination aus lichtstarkem Sensor, lichtstarker Blende und Software-Abstimmung – nicht echte Infrarot-Nachtsicht. Echte IR-Nachtsicht erfordert Infrarot-LEDs, die die Szene mit für Menschen unsichtbarem Licht ausleuchten.
Für den Blick auf die Straße ist Infrarot allerdings ungeeignet: Die Windschutzscheibe reflektiert das IR-Licht zurück in die Kamera, und die Reichweite der kleinen LEDs endet ohnehin nach wenigen Metern. Sinnvoll sind IR-LEDs im Innenraum – etwa bei Innenraumkameras für Taxis oder Fahrschulen, die den Fahrgastraum auch bei völliger Dunkelheit erfassen, dann allerdings in Schwarz-Weiß. Für die Fahrbahn zählt dagegen die Kombination aus großem, modernem Sensor, lichtstarker Optik und gutem HDR.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
- Sensor im Datenblatt: Seriöse Hersteller nennen den verbauten Sensor ausdrücklich – etwa „Sony STARVIS 2“ oder Typenbezeichnungen wie IMX678.
- Lichtstärke der Optik: Eine große Blendenöffnung (kleiner f-Wert) lässt mehr Licht auf den Sensor.
- HDR-Funktion: unverzichtbar gegen Blendung und ausgebrannte Kennzeichen.
- Originalvideos ansehen: Echte Nachtaufnahmen in Originalqualität sagen mehr als jedes Datenblatt.
- Auflösung im Verhältnis sehen: Mehr Pixel auf gleicher Fläche bedeuten kleinere Pixel – warum das nachts zum Nachteil werden kann, erklärt unser Vergleich 4K vs. 1080p.
Kameras wie die Viofo A229 Pro Duo mit STARVIS-2-Sensoren oder die Nextbase 622GW zeigen, was eine moderne Nachtabstimmung heute leisten kann.
Gerade im Wächterbetrieb, wenn die Kamera nachts allein auf dem Parkplatz Dienst tut, zahlt sich ein lichtstarker Sensor doppelt aus – wie diese Funktion arbeitet, lesen Sie im Beitrag Parkmodus erklärt. Und wenn Sie unsicher sind, welches Modell zu Ihren Strecken passt: Das Fenmay-Team berät Sie gern persönlich.


